Es gibt einen Grund warum manche Dinge sind wie sie sind und manche Dinge so wie wir sie haben wollen. Wenn man das Glück hat im zuhören und wahrnehmen etwas ausgebildet zu sein, trifft man viele Menschen die Gehör suchen. Es ist nicht zwangsläufig immer Glück, ab und an belastet es auch, aber mit etwas Abstand betrachtet, springen sehr oft lustige Erlebnisse dabei raus. Mein bester Freund hat diese Fähigkeit. Es gelingt ihm zwar, diese zu nutzen und er schafft es auch, diese auf einzigartige Weise weiterzugeben. Nur der Witz, der aus der Sache entsteht, entgeht seinem geradlinigen rationalem Wesen zu oft. Eines Tages traf er auf eine Frau… eine Psychologin.
Psychologen sind nach meiner Erfahrung, Menschen die dermaßen einen an der Klatsche haben, das ihnen nicht mehr zu helfen ist. Deswegen studieren sie Psychologie, damit wenigstens einer Schadensbegrenzung betreibt.
Diese Dame erkannte sofort die „Zuhör- und Mitfühl-Fähigkeit“, witterte Hilfe bei der Schadensbegrenzung und sah , warum auch immer, das Ende Ihres Singledasein nahen… und all das in meinem besten Freund… Der war sich natürlich keiner Schuld bewusst und hatte, ehe er sich versah, 48 Stunden Telefonterror hinter sich. Es war ein Heidenspass!!
Sie rief an… ich hob ab… aufgelegt… sie rief an… er hob ab… aufgelegt. Unser Büro war zwei Tage nicht erreichbar. Zu dieser Zeit waren Mobiltelefone nicht weit verbreitet und teuer… entsprechend groß war der Zorn der Entstand. Eine Mischung aus Steve Urkel und King Kong sprang durchs Büro und versuchte krampfhaft Normalität herzustellen. An seinem Hals pulsierte eine bockwurstdicke Ader etwa 3-4 mal pro Sekunde, seine Gesichtsfarbe wechselte sprunghaft von Himbeer- über Kamin- nach Rubinrot. Ich hatte einen riesen Spass und erinnere mich heute noch gerne an die beiden Tage. Und dieses Erlebnis haben wir einer Frau zu verdanken, die einfach nur keinen Mann abbekommen hatte.
Das mit dem Singledasein scheint mir bei Frauen ein deutlich größeres Problem zu sein, als bei Männern. An einem Billardtisch wurde ich mal über folgenden Sachverhalt informiert: „Ich bin 34 und selbstbewusste Single“. Das sie Single ist glaubte ich Ihr sofort. Zweiunddreißig strahlend weiß gebleichte Zähne, alle oben und alle vorne, verrieten mir sofort „ ich beiße nach allem und jedem“. Das sie 34 war glaubte ich Ihr schon weniger, ehr das sie die Zahl aus der Wurzel ihrer Gesichtsfalten errechnet hatte.
Und was das Selbstbewusstsein betraf, war dieses nach 2 kleinen Litern portugiesischem Rotwein so was von abgesoffen, das es sich als ausgereifte Torschlusspanik entpuppte. Ein weiterer Abend an dem mir die Fähigkeit zuzuhören eine Menge Spaß bescherte. Da ich es ja nicht so mit Alkohol habe und schon gar nicht mit Wein, war ich immer noch mit dem ersten Glas beschäftig, während Sandy, so will ich die selbstbewusste Singlefrau mal nennen, auf den Boden der dritten Flasche Vino Tinto zusank. Ihr Alkoholspiegel und ihr Selbstbewusstsein verhielten sich umgekehrt reziprok zueinander. Am Boden der Flasche und Ihres Selbstbewusstsein eröffnete mir Sandy den Einblick in die Abscheulichkeit ihres Singledaseins, berichtete von den Erlebnissen in Datingportalen, auf Singletreffs, von gut gemeinten aber missratenen Verkupplungsversuchen. Ich konnte es mir natürlich nicht verkneifen, ab und an einen Kommentar abzugeben und scheinbar gelang es mir Sandy aus der Seele zu sprechen… leider!! Die vierte Flasche Wein war nicht das einzige was sie öffnen wollte, als sie mich fragte ob wir diese nicht auf Ihrem Zimmer leeren wollen. Ein solches Angebot ereilt mich nicht täglich, aber die wenigen mal die es bisher geschah, genügte ein Verweis auf die beste Ehefrau von allen oder die Behauptung, das ich SadoMaso-Fetischist sei. All das war Sandy schon seit Flasche zwei egal. Sie wollte einen Mann, nicht um des Mannes willen, nein, nur um sicher zu stellen das sie noch einen akzeptablen Marktwert besitze… der war allerdings auch schon mit Flasche zwei abgesoffen. Wie kommt man aus so einer Nummer? Sandy machte nicht den Eindruck als würde sie ihr Vorhaben an der Zimmertüre aufgeben und so entschied ich mich, gar nicht so weit zu gehen. Es blieb mir nichts anderes übrig als ihr klar zu machen, das jeder auf sein Zimmer gehen werde. Zugegeben… ich hätte es sanfter ausdrücken können, aber ich war müde und die gerauchte Schachtel Gauloises sorgte für etwas Übelkeit. So kam es, das ein „Ich will nicht mit Dir aufs Zimmer und schon gar nicht ins Bett“ genügen sollte um den Abend und die Konversation enden zu lassen. Weit gefehlt. Einer Comicfigur gleich, brach Sandy lauthals in Tränen aus, um mir im direkten Anschluss und nur durch kraftvolles schnäuzen unterbrochen, zu erklären, warum sie nicht verstehe, das sie keiner will.
Eine gefühlte Ewigkeit erklärte sie mir wie gefühlvoll, selbständig, endilli… indille… intelü… klug, fleißig und unabhängig sie sei! Ihr Alkoholspiegel führte bereits zu Wortfindungsstörungen und Ausfall des Gleichgewichtssinnes.
Kurz um, sie machte sich zum begehrensunwürdigsten Wesen im Umkreis. Das war ihr natürlich nicht klar… Sandy glaubte wirklich daran, das es nützlich ist, einen Kerl an Land zu ziehen, wenn man ihm erkläre, wie toll man das Leben ohne diesen meistern könne. Sie berichtete mir von ihren Eskapaden mit anderen Männern. Ihrem erhöhten Alkoholspiegel ist es zu verdanken, das ich viel Geld beim Psychologen bezahlen müsse, um diese Bilder wieder aus meinen Kopf löschen zu lassen. Ich erfuhr genug über Ihre Wohnungseinrichtung, Ihren Kontostand, Ihre Urlaube und ihre verblassten Beziehungen um ausreichen Geschichten zu haben für das Buch „leider Single und wie ich dafür Sorge, das es auch so bleibt.“ Das bisschen Müdigkeit in mir war blankem Entsetzen gewichen… damals glaubt ich noch, eine solche Frau müsse doch keine Sorgen haben, wenn alles geregelt und organisiert ist, bleibt ja genug Zeit für einen Partner und es müsse doch ausreichend Typen geben, die Schlange stehen….damals. Heute bin ich zehn Jahre erfahrener und habe gefühlt weitere zwanzig Sandys getroffen und bemitleiden gelernt.
Die meisten haben irgendwann die Kurve und einen neuen Kerl bekommen, eine statt eines Kerls eine schön anzuschauende Ehefrau. Basieren auf einer persönlichen Veränderung gelang es den meisten sich so zu Wandeln, das sie wieder attraktiv für beziehungswillige Männer wurden und letztendlich auch einer dabei war, den sie in eine Beziehung verwickeln konnten. Ein neuer Job, ein neues Hobby, ein anderer Sportverein.. es war stets nur eine Kleinigkeit. Neue Haare, neue Kleider oder neue Schuhe halfen selten, fast nie. Ein oder zwei mal war es ein Kind, ungeplant und natürlich auf einer Verhütungspanne basierend, welches dazu führte, das im Singlegeist die Erkenntnis eintrat „Es dreht sich nicht immer alles um mich.“
Tracy McMillan beschreib in ihrem Buch „Ausgezickt“ 10 Kardinalfehler, moderner Frauen und mir ist nicht ganz klar, warum das Buch nicht als Topseller geführt wird.
Mich erschreckt am meisten daran, das es scheinbar ein lohnenswertes Projekt ist, darüber ein Buch oder Artikel zu schreiben. Bei meinen Recherchen hab ich natürlich auch mit der einen oder dem anderen gesprochen. Recht schnell ist mir klar geworden, daß alle mehr oder weniger verlernt haben, sie selber zu sein. Viel entscheidender, dem oder der anderen zuzugestehen, daß jeder seine eigenen Macken haben darf. Viel zu schnell wird dem neuen Partner die Zwangsjacke der Wunschpartners angezogen. Er fühlt sich nach 2 Wochen neuer Freundin „endlich angekommen“, sie ist plötzlich „fasziniert von Ihm“… Ihm…den sie nach 3 Kneipenabenden und 4 Nächten WhatsUp zu kennen glaubt. Meine Eltern haben fast ein viertel Jahr gebraucht bevor sie zum ersten mal knutschend im Hausflur erwischt worden… eine Zeitspanne, in der heute meißt schon alles vorbei ist. „Wenn Du es eilig hast, gehe langsam….“ Lothar J. Seiwert bringt es in seinem Buch auf den Punkt. Leider sind nur noch wenige Menschen im Stande, sich selber mal zu bremsen und den Moment wahr zu nehmen. Ein herzensguter Junge aus meinem Freundeskreis, an dessen Seite sich eine Frau sich glücklich schätzen kann, leidet unter genau diesem Phänomen. YOLO You only live once… höher schneller…weiter. Das neue Auto, der schnellere Computer, die Gehaltserhöhung, das neue Tattoo, der nächste Party-Abend. Sein Leben ließt sich wie ein Autorennen der kleinen und großen Erlebnisurlaube. Und wie bei so vielen Autorennen fährt auch mein Freund ohne Beifahrerin. Bei den vielen Stationen die er anfährt, bleibt er gar nicht lang genug um jemanden zu treffen, der ihn wirklich kennen und lieben lernen könnte. Meißt ist ihm das egal… nur manchmal in einem der seltenen ruhigen Momente, wünscht er sich nicht mehr alleine zu sein… mittlerweile öfter als vor 3-4 Jahren. Ein weiser Mann hat mir mal gelehrt: „Erhöhte Geschwindigkeit ersetzt keine mangelnde Richtung!“ Aber wie bringt man eine solche Weisheit einem Rennfahrer bei, während er die Boxengasse passiert?
Wie gibt man überhaupt einem gefrusteten Single einen Tipp, ohne ihm oder ihr gleich auf den Schlipps zu treten? Es ist 3 Wochen her, da heulte sich eine junge, gutaussehende Frau an meiner Schulter aus. Sie beschwerte sich über die Männerwelt und was diese wohl alles falsch mache, weswegen sie seit mehreren Jahren keinen Partner fände. Etwas überfordert sagte ich „da wird schon ein passender kommen“ und erntete eine biestiges „wie lange soll ich den noch warten?“ Da mir Ironie ja kein Fremdwort ist, fragt ich was denn alle anderen vom falschen Standpunkt betrachten, was nur sie richtig zu sehen glaubt… Naja, der Abend war hin. Den Denkanstoß sich mal an der eigenen Nase zu zupfen, griff sie als persönlichen Angriff auf und verließ wutschnaubend das Restaurant in dem wir zu Abend gegessen hatten. Feinfühlig wie ein Elefant im Porzellanladen, nennt das die beste Ehefrau von allen. Sie hat recht. Emotional bin ich wohl der größte Tollpatsch unter der Sonne und gerade deswegen weiß ich wie wichtig es ist, langsam zu gehen. Ich traf einmal ein Mädchen die das begriffen hatte. Alles an Ihr sagte „Ich bin bereit den Mann fürs Leben zu treffen!“ Sie war ohne Eile in Liebesdingen, nahm sich Zeit um Menschen kennen zu lernen und war innerlich so gefestigt, das sie sich auf einen Partner einstellen konnte und es nicht anders rum sein musste. Eigentlich kannte ich Maria schon etliche Monate, aber erst jetzt fiel mir auf das sie sich so entwickelt hatte. Zwei Wochen später stellt ich ihr Carsten vor, ein Mann knapp unter 30, dessen zweiter Vorname Ausgeglichenheit ist. Es funkte noch am selben Abend, überstürzt haben die beiden jedoch nichts. Im Gegenteil, es bedurfte eines kleinen Stupses, das sich die beiden als Paar zusammenfanden. Mit etwas Glück werde ich bald zur Hochzeit eingeladen. Mit etwas mehr Glück darf ich auch ein paar Worte sagen… die Rede hab ich sicherheitshalber schon fertig geschrieben.
Das Leben ist das was statt findet, wenn man was anderes plant. Oder um meinen sehr alten Freund Rimota Jikushi mal sinngemäß zu zitiren:
Machst Du Fehler, lebst Du…
hörst Du von ihnen, lernst Du…
Bemerkst Du sie, verstehst Du…
Zeigst Du anderen Deine, hilfst Du…
Änderst Du sie ab, dann wächst Du…
wünschst Du Dir Fehler, dann liebst Du!
Liebe macht blind hat meine Oma immer gesagt. Es ist gar nicht wichtig, wie perfekt der Partner ist oder ob er überhaupt perfekt ist. Es wird nie wie bei Pretty Woman sein, wichtig ist, das wir nie aufhören dafür zu kämpfen. Nur wer seine eigenen Macken zugeben, hinnehmen und ändern kann, der kann auch einem Partner gegenüber die Geduld, Hingabe und Kraft für dessen Macken aufbringen. Nur so wird der Lebensabschnittspartner auch zum Weggefährten für das ganze Leben.